Peter Scheller
Berater für Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte, Steuer- und Unternehmensberater

„Wenn es knifflig wird.“

Ende des Euro nah?

von Peter Scheller

Ende des Euro nah?

Im Handelsblatt stand am 25.02.2015 ein Artikel mit dem Titel Über ein Drittel der Deutschen will Euro-Austritt. Es werden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt. Danach wollen mehr als ein Drittel aller Deutschen den Euro-Austritt. Unterstellt, die Studie gibt ein wirklich korrektes Bild wieder, fragt man sich, ob eine große Zahl der Deutschen wirklich die Hand abschlagen wollen, die sie füttert. Es zeigt sich wieder etwas ganz klar: Eine Meinungsbildung ohne Wissen ist oberflächlich und auch gefährlich.

Der Euro hat bisher im Wesentlichen Deutschland geholfen. Unsere Produkte werden im EU-Ausland relativ gesehen nämlich immer billiger. Das hilft unserer exportorientierten Wirtschaft natürlich enorm. Früher hatten schwächere Volkswirtschaften einen Abwehrmechanismus gegen diese Entwicklung; die Abwertung ihrer Währung gegen die immer stärker werdende DM. So hat Griechenland in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts seine Währung um mehr als 100% gegenüber der Mark abgewertet. Mit der Euro-Einführung haben wir diesen Staaten den einzigen wirklichen Anpassungsmechanismus genommen. Die schwachen Volkswirtschaften müssen ohne geeignete Anpassungsmechanismen verlieren, die starken werden immer stärker, weil ihre Produkte relativ gesehen immer billiger werden.

Man kann dies auch im Privaten sehen. Vor 20 Jahren war Deutschland zusammen mit der Schweiz das Hochpreisland in Europa. Wenn man heute ins benachbarte Ausland fährt, wird man schnell feststellen, dass die normalen Lebenshaltungskosten im Super Markt in Deutschland deutlich unter denen im benachbarten Ausland mit Euro als Währung liegen. Das dürfte eigentlich nicht sein, ist unsere Wirtschaft doch angeblich leistungsstärker als vor 20 Jahren. Dass es dennoch so ist, hat seinen Grund eben in der für die meisten anderen Euro-Länder finanzpolitisch problematischen Lage.

Wer ist dafür verantwortlich? Dazu habe ich eine relativ einfache Antwort. Es waren die Herren Kohl und Mitterrand. Jeder volkswirtschaftlich etwas Bewanderte weiß, dass ein gemeinsamer Währungsraum ohne ein Mindestmaß gemeinsamer Wirtschaftspolitik und vor allen Dingen Ausgleichszahlungen der wirtschaftlich starken an die wirtschaftliche schwächeren Regionen nicht funktioniert. In Deutschland heißt dieser Ausgleich Länderfinanzausgleich. Entsprechende Ausgleichssysteme gibt es in allen anderen Ländern ebenfalls. Natürlich wussten die wirtschaftspolitischen Berater von Kohl und Mitterrand auch, dass man ein entsprechendes System in der EU braucht. Da das politisch aber nie und nimmer durchzusetzen gewesen wäre, hat man diesen Part einfach „vergessen“. Und so kam es, wie es kommen musste. Griechenland, Portugal, Irland, Spanien etc. gerieten in finanzielle Schieflage und Deutschland war der große Profiteur der Angelegenheit. Jetzt zahlen wir eben nicht in einem politisch geordneten Prozess sondern durch Schuldenübernahme. Dabei müssen wir dann auch noch erpresserische Maßnahmen anwenden, um den Griechen den gepumpten Wohlstand wieder wegzunehmen.

Das ist der einzige für die Deutschen wirklich bedenkliche Aspekt des Euros. Man sieht in der ausländischen Presse wieder die hässliche Fratze der Deutschen. Und dass nur, weil die Politiker bei der Euro-Einführung die Hosen voll hatten und glaubten, das Problem später schon beheben zu können. Konnten sie eben nicht.

Autor: Peter Scheller

Bildquelle: www.fotalia.com

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 7 plus 8.*